Kleine Spots – große Kinomusik

Bericht zum Jahreskonzert von der Badischen Zeitung (Nikolaus Bayer) vom 30.11.2017

 

Jahreskonzert der Trachtenkapelle Biederbach unter dem Motto "Film ab" / Klangfülle, Spielfreude, Gesänge und gute Solisten

BIEDERBACH. Weiße Bänder an der Decke, Zelluloid und Popcorn auf den Tischen und über der Bühne eine Leinwand – in der Schwarzwaldhalle herrschte Kinoatmosphäre. Hollywood meets Black Forest: Die Trachtenkapelle Biederbach machte es möglich. Mit Musik aus Kinoklassikern sowie Vertonungen berühmter Filmthemen bot sie ein tolles Jahreskonzert. Dabei bestach sie mit einer großen Klangfülle und schönen Soli. Ihre Vorstellung war bilderreich und auch mit Pfiff.

Spots aus den Originalstreifen führten das Publikum jeweils an die Musiktitel heran. Wo Lücken waren, schlichen sich Musiker selbst als Mimen ein, sie hatten Sets der eigenen, amüsanten Art gedreht. Sieben Mal verkündete eine Ansagerin aus dem Dunkeln: "Film ab" und der Vorhang öffnete sich.

Stephan Rinklin dirigierte das von ihm ausgewählte Programm. Es begann mit einem Medley des legendären amerikanischen Filmkomponisten Jerry Goldsmith, in dem der Wechsel zwischen piano und forte, zwischen langsamen und schnellen Passagen immer wieder für die filmisch gebotenen Spannungsbögen sorgte. Die Biederbacher Musiker zeigten sich diesem Stilmittel vollauf gewachsen. Wie im Kino zu hören, schmetterten die Trompeten das bekannte Aufbruchsthema ins All aus "Star Trek", mehrfach unterbrochen von ruhigen, sphärischen Klängen der Hölzer. Gleiches bei den Sequenzen aus "The Last Knight", dem Film über die Ritterrunde von Camelot, in denen das Hauptmotiv aus idyllisch-leisem Klarinettenspiel über alle Register zu einem mächtigen Tutti anschwoll. Marschmusik baute sich auf in der Sequenz zum Film über den Weltkriegsgeneral "Patton", beginnend mit dem Spiel des Piccolo-Pfeifers nach alter US-Infanterietradition. Hymnenhaft präsidial erklang zu Beginn das Thema aus "Air Force One". Gewaltig und doch akzentuiert, Takte aller Themen verbindend, endete das Medley. Ein erster Riesenapplaus folgte. Im zweiten Titel ging es um "Alcatraz", dessen Geschichte der zeitgenössische Komponist Fritz Neuböck packend vertont hat. Flamenco stand für spanische Ursprünge, blecherne Töne, hohe Tempi und Beckenschläge symbolisierten die Zuchthausinsel. Dazwischen wurde an die indianische Vertreibung erinnert. Ein Großteil des Orchesters stimmte deren Gesänge an. Carolin Wernet leitete sie mit ihrem zweiten Piccolo-Solo ein. Eine ganze Symphonie widmete der Belgier Bert Appermont dem Historienroman "Ivanhoe", 1952 verfilmt. Aus ihr spielte die Kapelle drei Sätze. Ein bombastischer Anfang mit Fanfarenklängen wechselte mit zarter Melodik der Holzinstrumente. Es ging um Angelsachsen und Normannen und um die Ritterehre. Im Mittelsatz stimmten die Oboen ein Tanzthema in filigranen Achteltönen an, eine Solopartie für Diana Burger und Nadine Hin. Trommeln, dumpfe Paukenschläge, Trompeten und Posaunen eröffneten den dritten Satz. Man hörte schwere Schlachtrösser förmlich zum Turnierplatz traben. Eine Hymne auf den Edelmut bildeten die Schlusstakte. Die Biederbacher zeigten hier ihre Vielseitigkeit und perfektes Zusammenspiel aller Register. Es war ein erster Höhepunkt des Konzerts. Danach war Pause.

Der zweite Teil des Konzerts begann temporeich mit spanischen Rhythmen aus dem Musical "Der Mann von la Mancha". Der Amerikaner Mitch Leigh hat sie für den Film "Don Quixote" arrangiert. Angetrieben von Blechbläsern und Kastagnetten steigerten sich die Biederbacher darin mit dem Hauptthema zu einem berauschenden Finale. "Unchained Melody" lautete der Evergreen von Alex North aus dem Film "Ghost – Nachricht von Sam". Hier hatte Solist Stefan Schätzle seinen Auftritt. Makellos mit sanfter Kornett-Intonation spielte er das romantische Stück, dessen Melodie das Orchester in Variationen weiterführte. Im Mittelstück des dreiteiligen Soundtracks zum Thriller "The Bodyguard" waren die Saxophone gefordert. Swing und Partyflair hatte Robert W. Smith darin angelegt. "I will always love you", den Welthit von Whitney Houston, spielte Stefanie Schultis. Der zweite orchestrale Höhepunkt folgte zum Schluss. Von Hans Zimmer, dem Oscarpreisträger, erklang "At World’s End", die handlungsbeschreibende Musik zum dritten Film der Reihe "Fluch der Karibik". Die 75 Biederbacher Musikerinnen und Musiker setzten darin die verlangte Klangfülle meisterlich aufeinander abgestimmt um. Das Spiel einzelner Register, ob Oboe, Klarinette oder Horn, entzündete Dynamik, immer wieder endend im Tutti. Musiker mit Bassstimme sangen. Das große Schlagwerk mit Glockenspiel und Xylophon erzeugte Bilder. Weite des Meeres, Gefühlsausbrüche, Piratenlager, Kämpfe und Kettengeklirr – vieles ließen die Töne beim Publikum erahnen. Imposant waren die Schlussakkorde. Der stehende, staccatoartige Applaus in der voll besetzten Halle war geradezu herausgefordert.

Stephan Rinklin hatte das wohl geahnt und dirigierte noch weitere Filmtitel: den River-Quai-Marsch und Märsche aus Louis de Funes-Filmen. Eingebettet darin verstand es die Trachtenkapelle auch gekonnt zu pfeifen; einmal a cappella nur zu einer Bassgitarre. Das Konzert hatte so auch eine fröhliche Note.

 

 
 

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